Die Physiotherapie steht vor grossen Herausforderungen: Fachkräftemangel, ineffiziente Prozesse und ein Tarifsystem, das kaum Spielraum für Innovation lässt. Doch es gibt Lösungen, so Ralf Sen, CEO von PlenaVita und VP of Innovation bei Cenplex. Er zeigt auf, wie Digitalisierung den Praxisalltag revolutionieren kann. Mit Cenplex hat er eine moderne Praxissoftware entwickelt, die Abläufe automatisiert, die Patientenreise optimiert und datenbasierte Therapieentscheidungen ermöglicht. Wie verändert Technologie die Branche? Welche Praxen werden in Zukunft bestehen? Und warum braucht es eine grundlegende Veränderung in der Physiotherapie? Jetzt reinhören!
#MartplatzGW #KI #Innovation #DigitalHealth #Physiotherapie #Cenplex
Fragen und Antworten
Ralf ist Physiotherapeut und CEO des Zentrums Plenavita. Daneben treibt er beim Softwarehersteller Zenplex Innovationen für Physiotherapiepraxen voran.
Er wollte Lösungen nicht allein am Computer, sondern gemeinsam mit Menschen entwickeln. In der Physiotherapie erkannte er später, wie dringend die Branche digitale Unterstützung braucht.
Viele Abläufe beruhten noch auf Papier und hatten sich über Jahrzehnte eingeschliffen. Digitalisierung wurde zwar diskutiert, im Alltag aber kaum gelebt.
Das Zentrum in Bülach beschäftigt rund 28 Mitarbeitende und ist seit der Übernahme 2021 stark gewachsen. Die Abläufe wurden digitalisiert, automatisiert und entlang klarer Patientenreisen organisiert.
Plenavita will nicht alles abdecken, sondern in seinen Bereichen hoch spezialisiert arbeiten. Je nach Ziel und Problem entsteht ein individuelles Angebot mit den passenden Fachpersonen.
Eine gewisse Grösse ermöglicht Fachgruppen, Patientenbesprechungen, Qualitätsprozesse und Automatisierung. Ein Sekretariat entlastet die Therapierenden, damit sie sich auf die Patienten konzentrieren können.
Sie beginnt bereits bei der Terminvereinbarung. Danach erhalten Patienten digitale Informationen, Videos und eine Einladung zu einem ersten Gesundheitsscreening.
Es prüft, ob Physiotherapie überhaupt die richtige Behandlung ist. Gleichzeitig schafft es ein gemeinsames Verständnis davon, wie Untersuchung, Befund und Therapie ablaufen.
Das System sammelt Ergebnisse aus Muskeltests, Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Daraus entstehen ein Trainingsplan und eine Übersicht, die Patienten auch in einer App sehen können.
Patienten erkennen ihre Ausgangslage, ihre Ziele und ihre Fortschritte. So übernehmen sie Verantwortung für den Prozess, statt sie beim Eintritt vollständig abzugeben.
Ralf sieht sie stärker als Aufklärende und Coaches und weniger als rein manuell Behandelnde. Sie begleiten den gesamten Prozess und machen Fortschritte nachvollziehbar.
Das Zentrum arbeitet nur mit Menschen, die aktiv mitwirken und Verantwortung übernehmen wollen. Fehlt diese Bereitschaft, werden Patienten und zuweisende Ärzte informiert und die Therapie kann beendet werden.
Das Tarifsystem deckt diese Investitionen nicht ausreichend. Einnahmen von Privatzahlenden helfen deshalb, Angebote für grundversicherte Patienten mitzufinanzieren.
Er hält die heutige Form für einen PDF-Container mit zu vielen kantonalen Lösungen. Eine zentralere Lösung könnte aus seiner Sicht sinnvoller sein, wenn auch die Leistungserbringer einen klaren Mehrwert erkennen.
Die bestehenden Programme entwickelten sich aus Ralfs Sicht zu wenig weiter und passten nicht zu modernen Prozessen. Aus diesem Frust gründete er mit zwei Kollegen Zenplex.
Geräte und Partnersysteme sollen direkt angeschlossen werden, damit Therapierende nicht ständig zwischen Anwendungen wechseln müssen. Mehr als 250 Praxen mit über 3'000 Lizenzen nutzen die Lösung bereits in der Schweiz.
Die Lösung läuft auf eigenen, extern bewirtschafteten Servern. Für künstliche Intelligenz braucht es aus Ralfs Sicht eine geschlossene Umgebung, gut vorbereitete Daten und die Einwilligung der Betroffenen.
Sie soll Daten auswerten sowie Trainingspläne und Berichte unterstützen. Zenplex will dabei die zentrale Oberfläche bleiben, in der Patientendaten, Berichte und angeschlossene Systeme zusammenlaufen.
Praxen müssen ihre Infrastruktur, Prozesse und Technologie weiterentwickeln, statt Veränderungen nur von anderen zu fordern. Ralf erwartet, dass Krisen, Konkurse und grössere Anbieter mehr Bewegung in den stark fragmentierten Markt bringen.
Die Branche wird sich in fortschrittliche Unternehmen und stehenbleibende Therapeuten aufspalten. Diese Trennung hält Ralf für nötig, weil sie Veränderung beschleunigt und der Physiotherapie langfristig guttut.









