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Anna Scrowther & Matthias Maurer – ZHAW: Was von 20 Jahren Weiterbildung bleibt

123 Gesundheitswesen Innovation

Zwanzig Jahre MAS Managed Healthcare – ist da eigentlich noch der akademische Titel entscheidend, oder zählt längst etwas anderes mehr?

In dieser Folge spricht Alfred Angerer mit Anna Scrowther, Co-Departementsleiterin Chirurgie am Stadtspital Zürich und Matthias Maurer, Experte für Weiterbildung am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) der ZHAW, über zwei Jahrzehnte Weiterbildung im Gesundheitswesen.

Anna erzählt, wie sie über die Fliegerei und einen zufällig organisierten medizinischen Kongress ins Gesundheitswesen fand – und wie ihr MAS an der ZHAW, inklusive einer ausgezeichneten Masterarbeit für die Klinik Hirslanden, zum Fundament ihrer heutigen Führungsrolle wurde.

Die Folge beleuchtet:

- Weshalb die Studienreise ins Ausland bei Studierenden die stärkste Erinnerung hinterlässt
- Wie viele Arbeitgeber Zeit und Kosten für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden übernehmen
- Warum der Ruf einer Institution fast so wichtig ist wie die Dozierenden selbst
- Wie Micro-Teachings und Online-Formate das klassische Präsenzstudium ergänzen, ohne es zu ersetzen

Zum Schluss haben beide eine steile These im Gepäck: Matthias sagt, was für ihn im Kern jeder Weiterbildung zählt – und Anna nennt eine Lernform, die im Spitalalltag sträflich unterschätzt wird.

#MarktplatzGW #Innovation #Weiterbildung

Fragen und Antworten

Das Institut für Gesundheitsökonomie WIG der ZHAW feiert 20 Jahre MAS Managed Healthcare. Zu Gast sind Matthias Maurer vom WIG und Anna Scrowther, eine ehemalige Studentin, die heute Co-Departementsleiterin Chirurgie am Stadtspital Zürich ist.

Anna hat vier Jahre am Kantonsspital Aarau gearbeitet, danach vier Jahre bei Hirslanden und ist seit rund sechs Jahren am Stadtspital Zürich. Dort ist sie inzwischen Co-Departementsleiterin Chirurgie.

Matthias ist seit 2013 am WIG und koordiniert dort einen Teil der Weiterbildung. Er hat VWL an der HSG studiert und vorher unter anderem als Geschäftsleitungsmitglied bei der Sanitas gearbeitet.

Anna wollte ursprünglich Flugbegleiterin werden und arbeitete während ihres Bachelorstudiums am Check-in bei Swissport. Ihr Praktikum und ihre Bachelorarbeit machte sie in der Unternehmenskommunikation bei Swiss.

Der Einstieg war Zufall. Ein Bekannter fragte sie an, ob sie einen medizinischen Kongress organisieren wolle, und von diesem ersten Auftrag ging es weiter zu neuen Aufträgen und schliesslich zu einer Anstellung.

Anna kannte das Gesundheitswesen vor allem aus Arztserien. Als sie erste Fachpersonen traf, wurde sie mit offenen Armen aufgenommen und fand die Vielfalt der Themen von Anfang an spannend.
 

Beide Branchen müssen mit hohen Risiken umgehen, etwa bei der Risikoabschätzung oder der Speak-up-Kultur. Am Stadtspital Zürich hat man dazu bereits Simulationen mit einem entsprechenden Anbieter durchgeführt.
 

Sie war quer ins Gesundheitswesen eingestiegen und wollte einen theoretischen Unterbau zu den Themen finden, mit denen sie in der Praxis schon zu tun hatte. So kam sie 2014 zum MAS an der ZHAW.

Laut Matthias ist die Mehrheit der Studierenden bereits im Gesundheitswesen tätig, oft in der Pflege oder Therapie. Auch sie kennen aber meist nur ihren eigenen Beruf und nicht das Spital als Organisation, weshalb sich Quereinsteiger und Branchenkenner im Studium schnell finden.

Sie schätzte die Modularität, weil sie sich Module gezielt nach ihren Interessen zusammenstellen konnte. Besonders lebendig erinnert sie sich an den Einstiegskurs Medizin für Nicht-Medizinerinnen und an die Studienreise nach London.

Sie entwickelte eine Systematik zur Strategieentwicklung in komplexen Systemen wie einem Spital, gestützt auf die Systemtheorie. Getestet hat sie das Modell zusammen mit dem Managementteam der Klinik Hirslanden.

Für Anna war der Mastertitel wichtig, weil er zeigt, dass sie sich auch theoretisch mit Management im Gesundheitswesen befasst hat, obwohl sie keinen medizinischen Hintergrund hat. Matthias ergänzt, dass manche Organisationen von leitenden Ärztinnen und Ärzten sogar eine Managementausbildung verlangen.
 

Besonders gefragt sind Medizin für Nicht-Mediziner und BWL für Nicht-BWLer, weil viele Studierende genau dort ihre Lücken schliessen wollen. Auch Personalführung und Gesundheitsökonomie laufen gut.

Der MAS kostet laut Matthias etwa 34'000 Franken. Rund die Hälfte der Studierenden erhält vom Arbeitgeber Zeit und Kostenbeteiligung, ein weiteres Drittel bekommt die Kosten teilweise übernommen, und nur eine Minderheit trägt alles selbst.

Sie lässt ihre Mitarbeitenden zuerst selbst nach passenden Angeboten suchen und berät sie danach. Ab und zu macht sie aber auch von sich aus einen Vorschlag, besonders bei Schlüsselpersonen in Administration und Management.
 

Immer mehr Studierende starten zuerst mit einem einzelnen CAS, statt sich direkt für den ganzen MAS zu immatrikulieren. Laut Matthias bleiben viele davon aber hängen und entscheiden sich später doch für mehr.

Matthias vermutet, dass viele dieser grossen Onlinekurse verschwunden oder unter dem Namen Micro-Credentials weitergezogen sind. Er glaubt, dass die vielen Online-Sessions während Corona den Leuten auch die Schattenseiten reiner Onlineformate gezeigt haben.
 

Er glaubt, dass Weiterbildung individueller wird und Lernende mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernweg übernehmen, begleitet und gecoacht von Dozierenden. KI und YouTube werden das seiner Meinung nach ergänzen, aber nicht ersetzen, weil im Kern immer Menschen und ihr Austausch zählen.
 

Sie würde sich Angebote wünschen, die neue Führungskonzepte im Gesundheitswesen stärken, etwa interprofessionelle Führungsteams. Als Beispiel nennt sie das Co-Leitungsmodell am Stadtspital Zürich, eine Diade aus ärztlicher und betriebswirtschaftlicher Führung, wie es die Mayo-Klinik schon seit rund 100 Jahren praktiziert.

Matthias sagt, im Zentrum jeder Weiterbildung stünden die Menschen selbst, mit ihrer Selbstreflexion und dem Austausch mit anderen. Anna findet, dass Shadowing und Hospitation im Gesundheitswesen als Lernform viel zu wenig genutzt werden, obwohl sie regelmässig neue Türen öffnen.
 

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