Was, wenn die Apotheke nicht mehr nur Medikamente abgibt, sondern zur zentralen Drehscheibe im Gesundheitswesen wird?
In dieser Folge spricht Alfred Angerer mit Dr. Fabian Sommerrock, Leiter Business Development & Cooperations bei Galenica, über den tiefgreifenden Wandel der Apothekenwelt im digitalen Zeitalter.
Warum informieren sich heute 70 bis 80 Prozent der Kundinnen und Kunden zuerst online? Welche Rolle spielen Convenience, Online-Terminbuchungen und hybride Versorgungspfade? Und wie wird aus der klassischen Medikamentenabgabe ein Dienstleistungsangebot mit über 350’000 erbrachten Dienstleistungen pro Jahr?
Fabian zeigt, wie „Beratung Plus“ ausgerollt wird, wie Telemedizin direkt im Beratungsraum integriert werden kann und weshalb das E-Rezept Schweiz, trotz technischer Reife, noch am Anfang steht. Zudem geht es um Diagnostik, Kooperationen mit Versicherern und die Vision einer stärker vernetzten Apotheke.
Diese Folge entstand im Umfeld des Digital Health Report 2025/26.
#MarktplatzGW #Innovation #DigitalHealth
Fragen und Antworten
Fabian arbeitet seit fast sechs Jahren bei Galenica und ist für Business Development und Kooperationen tätig. Zuvor arbeitete er unter anderem in der Strategieberatung und bei der CSS.
Ihn begeisterten die grosse Bandbreite des Gesundheitsnetzwerks und die Möglichkeit, unternehmerisch etwas zu bewegen. Galenica verbindet unter anderem Logistik, Produkte, Apotheken, Digital Health und Homecare.
Früher stand vor allem die sichere Abgabe von Medikamenten im Zentrum. Heute erwarten Kundinnen und Kunden zusätzlich Beratung, Gesundheitsdienstleistungen und digitale Zugänge.
Das Angebot umfasst Beratungen in den Bereichen Prävention, akute Beschwerden und chronische Erkrankungen. Dafür investiert Galenica in Beratungsräume, IT, Prozesse und die Schulung der Apothekenteams.
Die Teams übernehmen neue Aufgaben und müssen Kundinnen und Kunden aktiver ansprechen. Gleichzeitig muss die Bevölkerung erst erfahren, welche Beratungen und Dienstleistungen Apotheken heute anbieten.
Viele Apotheken sind von früh bis spät geöffnet und bieten einen niederschwelligen Zugang zu qualifizierten Fachpersonen. Termine lassen sich zudem bequem online buchen.
Im letzten Herbst buchten rund 40 Prozent der Kundinnen und Kunden ihre Grippeimpfung online. Dieses Zusammenspiel von digitalem Zugang und Behandlung vor Ort gewinnt an Bedeutung.
Galenica hat die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente über einen Automaten bereits in einem Piloten getestet. Regulatorische Hürden, das Geschäftsmodell und die Patientensicherheit verhinderten bisher eine breite Einführung
Der Zugang kann über einen digitalen Symptomchecker und eine Online-Terminbuchung beginnen. Falls die Apotheke nicht abschliessend helfen kann, lässt sich eine telemedizinische Fachperson beiziehen und ein elektronisches Rezept direkt übermitteln.
Die beschriebenen Bausteine sind bei Galenica bereits vorhanden. Sie sind in der Bevölkerung jedoch noch nicht breit bekannt und werden noch nicht umfassend genutzt.
Die über 350'000 erbrachten Dienstleistungen werden heute grösstenteils von den Kundinnen und Kunden selbst bezahlt. Galenica arbeitet daran, sie stärker in Grund- und Zusatzversicherungsmodelle zu integrieren.
Apotheken bieten einen schnellen und niederschwelligen Zugang, auch bei hoher Franchise oder fehlender Hausarztversorgung. Fabian ist überzeugt, dass sie bestimmte Leistungen günstiger und effizienter erbringen können.
Sie können über Symptomchecker den passenden Zugang zur Versorgung aufzeigen und auch in eine Apotheke weiterleiten. Galenica arbeitet dafür mit mehreren Plattformen wie Well und Compassana zusammen.
Fabian kann sich die Apotheke als Digital Health Hub und Datenintegrator vorstellen. Durch ihre Vernetzung mit Versicherungen, medizinischen Fachpersonen, Telemedizin und Pharma könnte sie eine Scharnierrolle übernehmen.
Die Marktdurchdringung steht trotz Wachstum noch am Anfang. Elektronische Rezepte machen laut Fabian bisher nur einen niedrigen Prozentsatz aller Rezepte aus.
Es vereinfacht die Abläufe in der Apotheke und erhöht die Patientensicherheit. Ein QR-Code ist zudem besser lesbar als ein handschriftliches Rezept und verhindert eine mehrfache Einlösung.
Es fehlt noch an Engagement bei verschreibenden und einlösenden Leistungserbringern sowie an technischen Integrationen. Zudem bestehen noch unterschiedliche Standards und für Ärztinnen und Ärzte fehlt heute ein finanzieller Anreiz.
Galenica testet neue Ansätze über Partnerschaften, gemeinsame Piloten, Joint Ventures und MVPs. Entscheidend ist, erfolgreiche Lösungen in die bestehenden Prozesse zu integrieren und nicht separat weiterzuführen.
KI kann etwa Kundenanfragen, Kontaktcenter und interne Anfragen aus den Apotheken unterstützen. Zusätzlich sieht Fabian Potenzial bei administrativen Abläufen, Diagnostik und im noch wenig digitalisierten Homecare-Bereich.
Die Apotheke der Zukunft wird ein vernetzter Health Hub, der persönliche Beratung und Empathie mit digitalen Elementen und digitalen Therapien verbindet. Entscheidend sind Kooperationen innerhalb und ausserhalb des Gesundheitswesens, die den Patientinnen und Patienten zugutekommen.









