Alfred Angerer spricht mit Robin Schmidt, Mitglied der Geschäftsleitung von Medix und Leiter Unternehmensentwicklung, sowie Jonathan Meier, CEO von Healthinal und von Heureka Health, über eine der grossen ungelösten Herausforderungen im Schweizer Gesundheitswesen: den strukturierten und sicheren Datenaustausch zwischen Leistungserbringern. Im Zentrum steht die Frage, weshalb medizinische Daten heute noch häufig als PDF verschickt und manuell erneut erfasst werden und welche Fehlerquellen, Ineffizienzen und Frustrationen daraus entstehen. Die Gäste zeigen auf, wie mit Heureka eine standardisierte Schnittstelle geschaffen wurde, die Arztpraxen ermöglicht, strukturierte Daten sicher mit Drittanwendungen zu teilen, ohne zusätzliche Kosten für die Praxis. Diskutiert werden konkrete Anwendungsfälle wie Telemedizin, Notfallversorgung im Spital, elektronische Patientendossiers sowie neue KI-Anwendungen in Arztpraxen. Zudem geht es um Anreizsysteme, regulatorische Hürden und die Frage, weshalb Bottom-up Initiativen in der Schweiz oft schneller wirken als staatliche Top down Programme.
Diese Podcast-Folge wurde mit der freundlichen Unterstützung der Heureka Health ermöglicht. Zur ihrer Website: heureka.health
#MarktplatzGW #Innovation #DigitalHealth
Fragen und Antworten
Robin leitet die Unternehmensentwicklung beim Ärztenetzwerk mediX und Joni ist CEO von Heureka. Heureka ermöglicht Arztpraxen, ihre Daten strukturiert und sicher mit ausgewählten Anwendungen zu teilen.
Heureka verbindet verschiedene Praxisinformationssysteme über eine gemeinsame Standardschnittstelle mit mehreren Anwendungen. Heureka entwickelt diese Anwendungen nicht selbst, sondern macht sie über einen App Store zugänglich.
Robin und Joni lernten sich 2018 oder 2019 über mediX kennen. Ausgangspunkt war die Idee, das Hausarztmodell mit Telemedizin zu verbinden und dafür einen Livezugriff auf relevante Praxisdaten zu ermöglichen.
Sie tauschen unter anderem Rezepte, Medikationspläne, Verordnungen, Befunde und Berichte mit Patientinnen und Patienten sowie anderen Leistungserbringern aus. Hinzu kommen Informationen für Versicherungen, Behörden und die Forschung.
Strukturierte Daten werden in ein PDF umgewandelt und verschlüsselt versendet. Beim Empfänger werden die unstrukturierten Angaben anschliessend wieder von Hand in ein System übertragen.
Das Abtippen kostet Fachpersonen viel Zeit und schafft zusätzliche Fehlerquellen. Ausserhalb der Öffnungszeiten fehlen wichtige Informationen teilweise ganz.
Im heutigen System fehlt häufig der finanzielle Anreiz für einen besseren Datenaustausch. Der zusätzliche Aufwand fällt oft bei einer anderen Stelle an als der spätere Nutzen.
Heureka holt strukturierte Medikationen, Stammdaten, Laborwerte und weitere Angaben aus dem Praxisinformationssystem. Die Praxis kann diese Daten mit dem Einverständnis der Patientinnen und Patienten gezielt für eine Drittanwendung freigeben.
Bei einem lokalen System wird in der Praxis ein kleiner Computer mit einem reinen Lesezugang zur Datenbank installiert. Läuft das System in der Cloud, erfolgt die Anbindung direkt dort.
Heureka strukturiert die Daten nach HL7 FHIR und übermittelt sie verschlüsselt nur an die freigegebene Anwendung. Dabei handelt Heureka mit der Einwilligung der Praxis in deren Auftrag.
Laut Robin und Joni sind rund 800 Ärztinnen und Ärzte angeschlossen. Heureka ist mit zwölf Praxisinformationssystemen kompatibel und deckt damit rund 90 Prozent des Marktes in der Deutschschweiz ab.
Bei einer Cloudlösung geht die Installation sehr schnell. Für ein lokales System dauert es meist zwei bis drei Tage bis zum Termin vor Ort, danach reicht eine Schulung von etwa einer halben Stunde.
Die Ärztin oder der Arzt wählt im Heureka Portal die gewünschte Anwendung und gibt die benötigten Datenarten frei. Zusätzlich müssen die erforderlichen Verträge bestehen und die Patientinnen und Patienten einverstanden sein.
Beim Anruf erkennt die Telemedizin, ob die Person über Smart Managed Care verbunden ist. Mit einem Klick kann sie dann die wichtigsten medizinischen Informationen aus der Hausarztpraxis einsehen.
Mit Zustimmung der Patientin oder des Patienten kann der Notfall relevante Daten live aus der Hausarztpraxis abrufen und strukturiert importieren. Das reduziert Rückfragen und doppelte Arbeit.
Genannt werden eine Patientenapp, die Anbindung an das elektronische Patientendossier sowie KI Tools für Zusammenfassungen und Berichte. Auch Formulare wie Kostengutsprachen könnten automatisch mit vorhandenen Daten ausgefüllt werden.
Heureka soll sich als zentraler API-Layer für ambulante Praxen etablieren. Verschiedene Unternehmen sollen auf dem standardisierten Datenaustausch neue Anwendungen und Innovationen aufbauen können.
Heureka ist eine ärzteeigene Initiative mit acht Ärztenetzwerken als Initiativpartnern. Sechs davon sind laut Robin auch am Unternehmen beteiligt.
Für Arztpraxen sind Installation und Datenaustausch kostenlos. Bezahlt wird Heureka von den Anwendungen und Organisationen, die von den bereitgestellten Daten und effizienteren Prozessen profitieren.
Joni glaubt, dass Initiativen der Leistungserbringer die Digitalisierung schneller voranbringen werden als staatliche Vorgaben. Robin ist überzeugt, dass Daten auch im Gesundheitswesen zum neuen Gold werden und ihre sinnvolle Nutzung die künftige Versorgung prägen wird.









