In dieser Folge sprechen Alfred Angerer und Stefan Lienhard mit Severin Summermatter, CEO von the i-engineers, über die Rolle von Interoperabilität, Datenintegration und Patientenplattformen im Spitalwesen.
Severin erzählt, wie ein Schweizer Familienunternehmen mit seiner Lösung 150 Spitäler in Deutschland digital vernetzt hat – und welche Lehren die Schweiz daraus ziehen kann.
Die Folge beleuchtet Fragen, die viele Spitalverantwortliche beschäftigen:
Wie gelingt organisatorische Transformation bei grossen Digitalisierungsprojekten?
Warum ist Zusammenarbeit in Verbünden oft effizienter als Alleingänge?
Und wie unterscheidet sich digitale Souveränität in der Theorie von der praktischen Umsetzung in der Cloud?
Zum Schluss teilt Severin seine These zur Zukunft der menschlichen Interaktion im Gesundheitswesen und gibt jungen IT-Talenten eine klare Botschaft mit auf den Weg.
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Fragen und Antworten
Severin ist CEO von the i-engineers. Das Unternehmen entwickelt Plattformen und Softwareprodukte, die Daten im Krankenhaus zusammenführen und die Digitalisierung zugänglicher machen.
Die Plattform überträgt Daten nicht nur zwischen verschiedenen Systemen, sondern speichert sie auch patientenzentriert. Dadurch stehen sie für weitere Anwendungen und Portale zur Verfügung.
Severin lebt seit seinem fünften Lebensjahr mit Typ-1-Diabetes. Dadurch kam er früh mit dem Gesundheitswesen und den Grenzen der Interoperabilität in Kontakt.
Nach seinem Studium arbeitete Severin zunächst in der Industrie und stieg später bei der Firma seines Vaters ein. Eine lange Übergabephase half dabei, die Nachfolge erfolgreich zu gestalten.
Er beschreibt das Team als gut ausgebildete Nerds, die die Digitalisierung im Krankenhaus jeden Tag etwas zugänglicher machen. Komplexe Probleme sollen dabei in standardisierte Produkte überführt werden.
The i-engineers beschäftigt rund 70 Personen und ist im deutschsprachigen Gesundheitsmarkt tätig. Die Software wird in Zürich entwickelt, zusätzlich besteht eine Tochtergesellschaft in Deutschland.
Die Health Engine sammelt Daten aus unterschiedlichen Krankenhaus-Systemen und führt sie zu einem Gesamtbild des Patienten zusammen. Severin vergleicht die Systeme mit verschlossenen Farbtöpfen, die über verschiedene Schläuche verbunden werden müssen.
In einem Krankenhaus arbeiten zahlreiche Systeme mit unterschiedlichen Formaten und Schnittstellen. Die Daten müssen technisch und inhaltlich so aufbereitet werden, dass ihre Bedeutung erhalten bleibt.
Die Plattform verarbeitet unter anderem HL7 V2, FHIR, openEHR und DICOM. Laut Severin können zudem weit über 20 KIS-Systeme standardisiert angebunden werden.
Häufig bestehen einzelne Verbindungen zwischen den Systemen. Daneben werden weiterhin PDFs und sogar Faxnachrichten eingesetzt, um Informationen weiterzugeben.
Standardisierte Gateways erleichtern die Einführung auch in kleinen Krankenhäusern. Der Zugang zur zentralen Plattform kann laut Severin innerhalb von etwa einer halben Stunde eingerichtet werden.
Zu den Produkten gehören Patientenportale und Zuweiserportale. Sie verbinden externe Nutzer mit den internen Prozessen und Systemen eines Krankenhauses.
Zuweiser können Patienten anmelden sowie Laborwerte, Dokumente und DICOM-Studien abrufen. Im Krankenhaus lassen sich daraus automatisch interne Abläufe anstossen und Fälle im SAP-System eröffnen.
«Mein Krankenhaus Digital» verbindet mehr als 140 Kliniken über eine gemeinsame Plattform. Trotzdem kann jedes Krankenhaus sein eigenes Patientenportal und seinen eigenen Auftritt anbieten.
Eine Klinik-IT-Genossenschaft bündelte die Interessen der unabhängigen Krankenhäuser. So musste nicht jede Klinik allein eine eigene Lösung für ihr Patientenportal beschaffen.
Von der Beauftragung bis zur Abnahme vergingen weniger als zwölf Monate. Entscheidend waren die klare Ausrichtung auf Interoperabilität, bestehende Erfahrungen und die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen.
Für Severin ist die Wahl zwischen Cloud und lokaler Installation vor allem eine Frage des Vertrauens und der Regeln. Klare Vorgaben wie das deutsche BSI-C5-Testat schaffen die nötige Sicherheit für Cloud-Angebote.
Krankenhäuser kommen schneller voran, wenn sie sich zusammenschliessen und gemeinsame Lösungen aufbauen. Welches organisatorische Modell dahintersteht, ist für Severin weniger wichtig als das gemeinsame Vorgehen.
The i-engineers wollen erste KI-Anwendungen auf Basis der Health Engine produktiv einsetzen. Auch Daten aus Wearables und medizinischen Geräten sollen künftig Teil einer umfassenden Patientenakte werden.
Die Schweizer Nationalmannschaft erreicht an der Weltmeisterschaft in den USA die letzten vier. Zudem werde der Wert menschlicher Interaktion durch KI geschmälert, sodass ein Arzt künftig nur noch optional Empathie vermittelt und Informationen überbringt.









