Wie wird aus einer IT-Idee ein Digital-Health-Unternehmen, das heute mobile klinische Apps für Spitäler und Pflegeeinrichtungen entwickelt?
In dieser Podcastfolge sprechen Alfred Angerer und Stefan Lienhard mit Chrysanth Sulzberger, Mitgründer von Imito, über die Entstehungsgeschichte seines Unternehmens und darüber, wie digitale Lösungen das Wundmanagement effizienter, präziser und alltagstauglicher machen können.
Chrysanth erzählt, wie Imito ursprünglich aus dem Bedarf nach sicherer klinischer Fotodokumentation entstanden ist und warum sich daraus ein klarer Fokus auf Wundanalyse, KI-gestützte Dokumentation und Clinical Decision Support entwickelt hat. Zudem geht es um die Herausforderungen beim Aufbau eines Health-Tech-Start-ups, die Zusammenarbeit mit Spitälern, regulatorische Anforderungen sowie die Frage, welche Rolle mobile Technologien künftig in Homecare und bei chronischen Wunden spielen werden.
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Fragen und Antworten
Chrysanth ist Gründer von Imito und ausgebildeter Medizininformatiker. Das Unternehmen unterstützt Pflegekräfte dabei, Wunden mithilfe mobiler Apps und KI schneller und objektiver zu dokumentieren.
Imito analysiert Wundbilder mit trainierten KI-Modellen und macht Vorschläge für die Dokumentation. Die Technologie lässt sich zudem in bestehende Kliniksysteme und Apps von Partnern integrieren.
Chrysanth beobachtete, dass Ärzte private Smartphones für Patientenfotos nutzten und diese Bilder weder datenschutzkonform noch in die Patientenakte integriert waren. Daraus entstand zunächst eine App für die klinische Fotodokumentation.
Er kontaktierte rund 11'000 Ärzte und erhielt etwa 500 Antworten. Mehr als die Hälfte der antwortenden Spitalärzte zeigte Interesse an einer solchen Lösung.
Patientenbilder wurden einfach als Timeline dargestellt und konnten kommentiert sowie verschlagwortet werden. Über einen Barcode und ein Körperschema liessen sie sich direkt dem richtigen Patienten und der passenden Körperstelle zuordnen.
Nach dem Start zeigte sich rasch, dass besonders die Pflege Interesse an der App hatte. Damit rückte die Wunddokumentation zunehmend ins Zentrum des Angebots.
Er reduzierte seine Lebenshaltungskosten, suchte bewusst einen Mitgründer und absolvierte mit Manuel zunächst eine gemeinsame Probezeit. Ausschlaggebend waren schliesslich die positiven Rückmeldungen aus Medizin und Spitalinformatik.
Das Universitätsspital Basel zeigte bereits auf Basis einer Präsentation Interesse und schloss einen Entwicklungsvertrag ab. So konnte Imito das erste Produkt entwickeln und direkt im Markt testen.
Ein motivierter Fachbereich ist meist der beste Ausgangspunkt, weil gut aufgestellte IT-Abteilungen nur tatsächlich benötigte Projekte umsetzen. Referenzen und Empfehlungen von Ärzten oder Pflegekräften erleichtern den Zugang zusätzlich.
Deutschland war von Beginn an Teil der Strategie und bereits in die Marktforschung einbezogen. Über die Sana Kliniken entstand ein erstes Pilotprojekt, kurz darauf folgte eine Bestellung des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf.
Die Pflegekraft sieht offene Aufträge, wählt den Patienten per Barcode aus und erfasst Wundstatus und Therapie in einem Assessment. Die Informationen fliessen danach ins Kliniksystem und können beim Austritt für die Nachversorgung aufbereitet werden.
Patientendaten, Aufträge und Ergebnisse werden über HL7-Schnittstellen ausgetauscht. Die Weboberfläche ist direkt in das Kliniksystem eingebettet, während die mobile App am Behandlungsort genutzt wird.
Viele Kliniksysteme bieten inzwischen selbst mobile Funktionen an und sind damit zugleich mögliche Wettbewerber. Imito integriert deshalb seine smarte Kamera und Wundanalyse direkt in deren Lösungen.
Evaluationen von Einführungsprojekten zeigen eine Zeitersparnis von rund 75 Prozent. Die Dokumentation eines neuen Wundassessments verkürzt sich dabei von etwa 20 Minuten auf drei bis fünf Minuten.
Die wissenschaftlich validierte Vermessung macht Veränderungen der Wundgrösse objektiv sichtbar. So lässt sich besser erkennen, ob eine chronische Wunde heilt, stagniert oder eine spezialisiertere Therapie benötigt.
Die nächste Version soll Gewebetypen klassifizieren und erste Therapieempfehlungen abgeben. Damit geht die Lösung über reine Dokumentation hinaus und unterstützt medizinische Entscheidungen.
Sie sollten früh Fachleute beiziehen und eine benannte Stelle wählen, die digital arbeitet und schnelle Iterationen ermöglicht. KI-Unterstützung wird auch bei technischer Dokumentation und Qualitätsmanagement zunehmend wichtig.
Im Vordergrund steht die Zulassung in der EU, während in den USA vor allem Partnerschaften mit Systemanbietern verfolgt werden. In Brasilien ist Imito bereits zugelassen und baut über Partner erste Referenzkunden auf.
Imito will seine Technologie stärker über Partner und Kliniksystemanbieter vertreiben und dadurch besser skalieren. So sollen auch Hausarztpraxen, Homecare, Pflegeheime und weitere Bereiche erreicht werden.
Aufgrund des demografischen Wandels und Krankheiten wie Diabetes wird es mehr Menschen mit chronischen Wunden geben. Gleichzeitig werden Hospital-at-Home-Konzepte und KI-gestütztes Monitoring Angehörigen und Pflegekräften ermöglichen, Wunden zu Hause präziser zu versorgen.









