Was nützt ein Notrufknopf, wenn man ihn im entscheidenden Moment nicht mehr drücken kann?
In dieser Folge sprechen Alfred Angerer und Stefan Lienhard mit Pascal Dossenbach, Gründer von Smart Angel, über präventive, smarte Notrufsysteme – und darüber, warum der klassische Knopf oft zu spät kommt.
Pascal erzählt, wie Smart Angel aus einer tragischen persönlichen Erfahrung entstand: Seine Mutter erlitt im Spital einen Schlaganfall, der zu spät bemerkt wurde, weil sie den Notruf nicht mehr auslösen konnte. Aus dieser Erfahrung wuchs die Idee, von der reinen Reaktion wegzukommen und Risiken früher zu erkennen – bevor aus einer kritischen Entwicklung ein Notfall wird.
Die Folge beleuchtet:
- Warum Vitalwerte wie Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung Krisen oft Wochen vorher ankündigen
- Weshalb es ein ganzes System braucht und nicht nur ein Gadget
- Wie eine Notruflösung von Seniorinnen und Senioren bis zu Feuerwehrleuten relevant werden kann - Warum Vertrauen, Datenschutz und ein gutes Design über den Erfolg entscheiden
Zum Schluss hat Pascal eine steile These im Gepäck: Über die Zukunft der Pflege wird nicht dort entschieden, wo man es vermuten würde.
#MarktplatzGW #Innovation #DigitalHealth #Prävention
Fragen und Antworten
Pascal ist Serial Entrepreneur und hat schon mehrere Firmen gegründet. Mit Smart Angel baut er ein smartes Notrufsystem, das nicht erst im Notfall hilft, sondern Gefahren möglichst früh erkennt. Der Fokus liegt auf älteren Menschen, taugt aber für viele andere auch.
Die meisten Systeme sind reaktiv. Man muss einen Knopf drücken, damit Hilfe kommt. Pascal wollte weg davon, hin zu etwas Vorausschauendem. Und dazu braucht es nicht nur ein Gerät, sondern ein ganzes System dahinter.
Angestellt sein war nicht seins. Er wollte Verantwortung übernehmen und nicht von den Entscheidungen anderer abhängig sein. Diese Verantwortung wollte er nicht nur tragen, sondern auch leben.
Aus einer tragischen Geschichte. Pascals Mutter hatte 2018 im Krankenhaus einen Schlaganfall, den niemand bemerkte. Den Notrufknopf über dem Bett konnte sie nicht mehr drücken, weil sie halbseitig gelähmt war. Sie ist später daran gestorben. Pascal fragte sich, was mit all den Menschen ist, die zu Hause umfallen und nichts mehr drücken können.
Nein. Es gab nur reaktive Systeme, bei denen man drücken muss. Im Spital ist man auf der Normalstation kaum überwacht, zu Hause noch weniger. Genau diese Lücke zwischen Spital und Zuhause wollte Pascal schliessen.
Er hat den Markt und Betroffene gefragt und seine eigene Erfahrung eingebracht. Dann hat er sich einen Mitstreiter gesucht, seinen heutigen CTO aus Rumänien. Die Technologie haben die beiden gemeinsam von A bis Z entwickelt.
Ein Arzt, der später auch investierte, gab Pascal den entscheidenden Hinweis. Blutdruck und Puls reagieren auf alles im Leben. Ein Schlaganfall kündigt sich oft schon Wochen vorher an. Wer diese Werte beobachtet, erkennt früh, dass jemand in einen Engpass läuft.
Drei, und zwar permanent. Blutdruck, Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut. Aus dem Verlauf dieser Werte lässt sich viel ablesen.
Gleich zwei Dinge. Es brauchte rund 30 Geräte von verschiedenen Lieferanten, bis der Akku lange genug hielt. Und das Gerät musste so aussehen, dass man es auch tragen will. Sieht man von Weitem, dass es ein Notrufgerät ist, ziehen es die Leute nicht an.
Heute vor allem beim Sturz. Erreicht ein Sturz eine gewisse Fallgeschwindigkeit, löst die Uhr eine Warnung aus. Die geht an vordefinierte Kontakte, meist zuerst an die Familie und dann an eine Notrufzentrale, die rund um die Uhr besetzt ist.
Smart Angel verkauft kein Gerät, sondern ein Abo über drei, sechs oder zwölf Monate. Die Uhr und der Service sind immer dabei, inklusive SIM-Karte für 70 Länder. Die Geräte kommen fixfertig eingestellt, also auspacken, anziehen, fertig.
Angefangen hat es beim klassischen Notrufkunden mit 70 oder 80 Jahren. Heute reicht die Kundschaft von 30 bis 100. Dazu kamen Menschen mit Vorerkrankungen, im Rollstuhl oder mit starker Seheinschränkung. Der Trend zur Selbstvermessung spielt mit.
Ja, einige. Es gibt einen winzigen Notrufknopf, den auch Biker nutzen, die bei Stürzen liegen bleiben. Und bei einem Test mit der Feuerwehr sah man an der Sauerstoffsättigung, wann die Pressluftflasche leer wird und wann es Zeit ist, aus dem Feuer zu kommen.
Sie sehen ihre eigenen Werte und können damit zum Arzt gehen. Ein 50-jähriger Mann spürte, dass etwas nicht stimmt, ging mit den Daten zum Arzt und bekam noch am selben Tag zwei Stents. Andere haben dank der Kurven ihre Medikamente angepasst.
Ja, sagt Pascal. Viele haben Angst vor der Technik, fürchten einen Fehlalarm oder wollen niemanden belästigen. Wichtig ist, dass die Lösung nicht als Technik daherkommt, sondern als etwas, das der ganzen Familie Vertrauen gibt.
Das ist selten ein Thema. Smart Angel ist eine Schweizer Firma, die Daten bleiben in der Schweiz, und es gibt entsprechende Zertifizierungen. Der Kunde sieht, was die Firma sieht, und entscheidet selbst, wer seine Daten anschauen darf.
Der Antrieb kommt meistens aus der Familie, oft von den Kindern. Manche entscheiden sich aber auch selbst und suchen Beratung. Darum geht Pascals Team auch zu den Leuten nach Hause und zeigt, wie einfach es ist.
Sie soll ein Ereignis ankündigen, bevor es passiert. KI kann Muster in den Werten erkennen, etwa wenn der Puls ungewöhnlich oft ausschlägt oder sich jemand auffällig wenig bewegt. So könnte man reagieren, bevor es ernst wird.
Wir werden gar nicht darum herumkommen. In den nächsten zehn Jahren verlieren wir viele Ärzte und Pflegekräfte durch Pensionierung. Mehr Spitäler zu bauen nützt nichts, wenn das Personal fehlt. Die Pflege verschiebt sich nach Hause, und dafür braucht es Hilfsmittel und auch die Krankenkassen.
Die Zukunft der Pflege entscheidet sich nicht im Krankenhaus, sondern in der Prävention. Wer früh merkt, dass etwas nicht stimmt, kann reagieren. Im Notfall kommen dagegen die grossen Geschichten, also Operationen, Reha und hohe Kosten.









