In dieser Podcastfolge spricht Alfred Angerer mit René Buholzer, CEO von Interpharma, über die wachsende Bedeutung von Real World Data und die Frage, warum Forschung und Versorgung ohne vernetzte Daten künftig kaum mehr möglich sind.
René erklärt, warum Gesundheitsdaten zu einem entscheidenden Standortfaktor werden, weshalb Forschung ohne vernetzte Daten nicht mehr denkbar ist und wieso ein Gesundheitsdatenökosystem die zentrale Infrastruktur der Zukunft sein könnte. Ausserdem zeigt er auf, welche geopolitischen Risiken auf die Schweizer Pharmaindustrie zukommen und warum wir dringend lernen müssen, vom Ergebnis her zu denken statt in Silos zu regulieren.
Diese Folge entstand im Umfeld des Digital Health Report 2025/26 und bietet einen nüchternen, aber hoch relevanten Einblick in die digitale Zukunft der Gesundheitsversorgung.
#MarktplatzGW #Innovation #DigitalHealth
Fragen und Antworten
René ist CEO von Interpharma, einem Verband mit 23 international tätigen Pharmaunternehmen. Ihn beschäftigt besonders die Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Akademie.
Public Affairs übersetzt zwischen den unterschiedlichen Logiken von Wirtschaft und Politik. Das Ziel ist, beide Welten zusammenzubringen und gemeinsame Lösungen zu ermöglichen.
Daten und Datenwissenschaft werden für die Pharmaforschung immer wichtiger. Deshalb betrachtet Interpharma die Digitalisierung auch als entscheidenden Standortfaktor für die Schweiz.
Interpharma suchte in mehreren Workshops nach einem Thema, bei dem der Verband einen echten Unterschied machen kann. Daraus entstand der Fokus auf ein Gesundheitsdatenökosystem und 2020 eine erste Roadmap.
Es ist eine gemeinsame Basisinfrastruktur, über die standardisierte Daten zwischen heutigen Silos ausgetauscht werden können. Damit würden Daten auch für die sekundäre Nutzung und Forschung verfügbar.
Es unterstützt personalisierte Behandlungen, eine bessere Steuerung des Gesundheitssystems und die Forschung. Zudem könnten Ineffizienzen wie Mehrfachuntersuchungen sichtbarer werden.
Internationale Pharmaunternehmen können ihre Forschung auch ausserhalb der Schweiz betreiben. Ohne verfügbare Daten, passende Fachkräfte und gute Rahmenbedingungen droht die Schweiz den Anschluss zu verlieren.
Daten können zeigen, welche Behandlung oder Dosierung bei einer bestimmten Person besonders geeignet ist. Dadurch lassen sich der Nutzen erhöhen und Nebenwirkungen möglichst verringern.
Klinische Studien finden in einem kontrollierten Umfeld statt und bilden Begleiterkrankungen nur begrenzt ab. Daten aus dem Versorgungsalltag können wichtige Erkenntnisse zu Wirkungen und Wechselwirkungen liefern.
Viele Daten liegen schon in den Systemen von Praxen und Spitälern. Für René hat es Priorität, diese bestehenden Daten aus ihren Silos zu lösen und nutzbar zu machen.
Bessere Qualität sollte stärker honoriert werden, damit sich der zusätzliche Aufwand für gute und standardisierte Daten lohnt. René setzt dabei auf mehr Qualitätswettbewerb statt auf immer neue Minimalvorgaben.
Gemessen werden sollte stärker das Behandlungsergebnis statt jeder einzelne Prozessschritt. So könnten Fachpersonen ihre Abläufe selbst verbessern, ohne immer mehr Formulare und Detailvorschriften zu erhalten.
Apps können Patientinnen und Patienten bei der korrekten Einnahme ihrer Medikamente unterstützen. Das kann Komplikationen vermeiden, die Effizienz steigern und Kosten senken.
Laut René interessieren sie sich für anonyme und qualitativ aufbereitete Daten, nicht für das Verhalten einzelner Personen. Ihr Geschäftsmodell unterscheidet sich damit von Plattformen, die persönliche Daten für gezielte Werbung nutzen.
Es braucht einen erkennbaren Nutzen, klare Regeln und eine neutrale Datenkoordinationsstelle. Missbrauch sollte konsequent sanktioniert werden.
René sieht grundsätzlich Fortschritte, warnt aber vor überladenen Vorhaben, neuen Silos und mangelnder Koordination. Zudem passt das Schweizer Gesetzgebungstempo nur schwer zur schnellen digitalen Entwicklung.
Interpharma unterstützt das Programm und arbeitet in den Begleitgruppen mit. Im Zentrum sollte aus Sicht des Verbands eine gemeinsame Plattform mit klaren Standards und Schnittstellen stehen.
Er würde verbindliche Standards festlegen und Leistungserbringer verpflichten, ihre Daten innerhalb von fünf Jahren entsprechend zu liefern, wenn sie über Steuern oder obligatorische Krankenkassenprämien finanziert werden. Im Gegenzug könnten alle Beteiligten die Daten für Forschung, Qualitätsverbesserungen und Weiterentwicklungen nutzen.
René ist optimistisch, dass die Schweiz eine solche Stelle schaffen wird. Aus seiner Sicht ist sie notwendig, damit das Land entscheidend vorankommt.
Die Schweiz muss sich vom Kostensiloblick lösen und die Versorgung vom Patientenpfad und vom Ergebnis her steuern. Nur mit Digitalisierung und dem Zusammenspiel aller Akteure lässt sich ein hochwertiges, solidarisch finanziertes Gesundheitssystem für alle erhalten.









