Alfred Angerer spricht mit Pascal Brack, Head of IT Services Digital Health bei der Schweizerischen Post, über die Digitalisierung in Schweizer Arztpraxen. Wie fragmentiert ist die IT-Landschaft im Gesundheitswesen? Welche KI-Lösungen unterstützen Ärzte bereits heute bei der Dokumentation? Und wie entwickelt sich das elektronische Gesundheitsdossier (EGD) weiter? Brack erklärt, warum die grösste Herausforderung darin besteht, die Schweizer Bevölkerung auf dieser digitalen Journey mitzunehmen, weshalb fliessende Daten die Grundlage für bessere Behandlungsqualität sind und was passieren muss, damit Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht nur geplant, sondern auch gelebt wird.
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Fragen und Antworten
Pascal leitet den Bereich IT Services Digital Health bei der Schweizerischen Post. Zuvor arbeitete er 15 Jahre bei IBM und kam über das elektronische Patientendossier ins Gesundheitswesen.
Die Post transportiert seit über 175 Jahren Informationen sicher von A nach B. Heute geschieht das zunehmend digital, etwa bei Gesundheitsdaten, Cybersecurity und dem elektronischen Patientendossier.
«Time for Patient» ist ein Gesamtpaket für die IT einer Arztpraxis. Die Post liefert Hardware und Software aus einer Hand, damit sich Ärztinnen und Ärzte stärker auf ihre Patientinnen und Patienten konzentrieren können.
Arztpraxen erhalten eine zentrale Ansprechstelle für Software, Hardware, Plattformen und Schnittstellen. Dadurch müssen sie nicht mehrere Anbieter koordinieren und gewinnen Zeit.
Die Post entwickelte es aus der Betreuung eines schweizweit verteilten Grosskunden. Heute betreut sie damit über 70 Arztpraxen, weitere Apotheken kommen hinzu.
Termine lassen sich online buchen, Informationen und Anleitungen frühzeitig bereitstellen und weitere Behandlungsschritte besser verbinden. Pascal sieht auch bei der Information über Vorsorgeuntersuchungen grosses digitales Potenzial.
Patientinnen und Patienten können ihre Angaben bereits zu Hause digital erfassen und ihre Krankenkassenkarte hinterlegen. Die Informationen gelangen direkt in die Praxissoftware, ohne Papierformular und erneutes Abtippen.
Pascal nennt viele Einzelinteressen, unterschiedliche Akteure und eine fehlende Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Damit sich etwas ändert, brauche es mehr gemeinsames Denken im gesamten Gesundheitssystem.
Viele Praxen fürchten die Migration auf ein neues Praxisinformationssystem. Die Post begleitet den Wechsel, übernimmt die bestehenden Daten und erneuert bei Bedarf auch Computer, Drucker und weitere Hardware.
In der Schweiz gibt es laut Pascal rund 50 bis 70 verschiedene Praxisinformationssysteme. Ein Teil dieser Vielfalt erklärt sich durch unterschiedliche Fachrichtungen und die drei Sprachregionen.
Das Gesamtpaket wird als Mietmodell angeboten und erfordert keine grosse Anfangsinvestition. Updates, Fehlerbehebungen, neue Funktionen und der Austausch alter Hardware sind laufend enthalten.
Nur etwa 10 bis 20 Prozent beschäftigen sich laut Pascal gerne vertieft mit IT. Für die Mehrheit soll sie zuverlässig, intuitiv und mit wenigen Klicks funktionieren.
Die Post verfügt für ihre Filialen und Logistikzentren über IT-Fachpersonen in der ganzen Schweiz. Dadurch kann sie bei Problemen schnell vor Ort sein.
Nach Pascals Einschätzung ist die Skepsis in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Die Cloud hält die IT aktuell, während eine zweite Internetleitung das Risiko eines Ausfalls reduzieren kann.
Ein Gespräch kann auf Schweizerdeutsch aufgenommen und direkt als strukturierte Zusammenfassung im Praxisinformationssystem abgelegt werden. So entstehen Notizen und Befunde schneller, ohne dass das vollständige Gespräch transkribiert werden muss.
Das Schema gliedert die Dokumentation in subjektive Beschwerden, objektive Befunde, Beurteilung und Plan. Die KI kann ein Gespräch automatisch in diese vier Bereiche einordnen.
Der Mensch muss die Ergebnisse weiterhin prüfen und bleibt damit Teil des Prozesses. Pascal empfiehlt, die Technologie praktisch auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und bei ihrer schnellen Entwicklung dranzubleiben.
Die Post entwickelt nicht jede Lösung selbst und besitzt auch keine eigene Praxissoftware. Für die KI arbeitet sie mit Intonate zusammen und achtet darauf, nicht dauerhaft von einem einzelnen Anbieter abhängig zu werden.
Die Erfahrungen aus dem elektronischen Patientendossier sollen in das elektronische Gesundheitsdossier einfliessen. Gleichzeitig müsse die Bevölkerung verständlich informiert und auf der digitalen Reise besser mitgenommen werden.
Die stark fragmentierte IT-Landschaft wird in den nächsten Jahren verknüpft und optimiert, sodass Daten fliessen und Behandlungsqualität sowie Geschwindigkeit steigen. Der Zugriff auf eigene, saubere Daten stärkt die digitale und medizinische Kompetenz, bildet die Grundlage für KI und hilft auch gegen den Fachkräftemangel.









