Alfred Angerer spricht mit Jeroen de Leur, Mitglied der Geschäftsleitung des Gesundheitscenter Jeroen de Leur in Einsiedeln, und Daniel Holsträter, Sales Manager und Konzeptberater bei EGYM, über die Digitalisierung in Physiotherapie und Training. Im Zentrum stehen die Fragen, was Digitalisierung in diesem Umfeld konkret bedeutet, wie datenbasierte Assessments wie Bioimpedanz und Bio Age Motivation schaffen und wie digitale Ökosysteme Prozesse vereinfachen. Die Gäste diskutieren den Wandel der Branche, die Verbindung von Therapie und Training unter einem Dach, Chancen für Kundenbindung und Rekrutierung sowie Grenzen von Messbarkeit in der Therapie. Zum Schluss blicken sie in die Zukunft mit KI als Werkzeug und der klaren Haltung, dass trotz Technik das Zwischenmenschliche entscheidend bleibt.
Diese Podcast-Folge wurde mit der freundlichen Unterstützung von EGYM ermöglicht.
#MarktplatzGW #Innovation #DigitalHealth
Fragen und Antworten
Jeroen ist Mitglied der Geschäftsleitung des Gesundheitscenters de Leur in Einsiedeln. Daniel berät als Sales Manager bei EGYM Physiotherapiezentren und Trainingscenter bei ihrer digitalen Weiterentwicklung.
Seine Eltern gründeten vor 35 Jahren das Physio Center in Einsiedeln. Nach seinem Studium der Bewegungswissenschaften rutschte Jeroen eher zufällig in den Familienbetrieb und arbeitet dort inzwischen seit zwölf Jahren.
Daniel trainierte selbst schon lange und absolvierte 2003 aus Eigeninteresse eine Ausbildung zum Trainer. Später führte er ein Trainingscenter und verbindet heute seine praktische Erfahrung mit einer wirtschaftlichen Ausbildung.
Fitness wird häufig mit Ästhetik verbunden, während Training gezielt Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und weitere Fähigkeiten aufbaut. Für Jeroen geht es vor allem darum, die Belastbarkeit im Alltag und bei der Arbeit zu erhalten.
Die Unterschiede sind gross, von weitgehend manuellen Betrieben bis zu digital fortgeschrittenen Centern. Jeroen würde den Stand trotz seines begrenzten Einblicks bei etwa vier von zehn einordnen.
Für Jeroen bedeutet Digitalisierung, dass Daten automatisch gesammelt, übertragen und einfach zugänglich gemacht werden. Das spart Zeit und ermöglicht effizientere Abläufe.
Zu Beginn werden unter anderem Körperzusammensetzung, Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft getestet. Auf dieser Grundlage werden Ziele festgelegt und ein persönlicher Trainingsplan erstellt.
Das Bio Age fasst das biologische Alter aus den Bereichen Stoffwechsel, Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft zusammen. So erkennen auch Personen ohne Trainingserfahrung schnell, wo ihre grössten Schwachstellen liegen.
Der Widerstand wird elektronisch erzeugt und das Gerät stellt sich auf die trainierende Person ein. Trainingskurven und spielerische Elemente führen durch das Training und sollen langfristig motivieren.
Daniel beschreibt EGYM im Kern als Softwareunternehmen mit einer offenen Plattform. Über 200 Partnerfirmen können angebunden werden, damit die Betriebe ihr eigenes Ökosystem zusammenstellen können.
Trainierende sehen ihre Pläne und Fortschritte in der App, während Fachpersonen die Entwicklung im Hintergrund verfolgen. Krafttests, Gewichte und Trainingsmethoden lassen sich regelmässig und teilweise automatisch anpassen.
Vor der Therapie füllen Patientinnen und Patienten einen Gesundheitsfragebogen aus, danach folgen bei Bedarf Heimübungen zur Mobilisation und Schmerzlinderung. Später werden sie schrittweise in den Trainingsbereich überführt.
Nein, objektive Werte können den Therapieerfolg sichtbar machen, sind aber nicht alles. Für Jeroen bleibt der zwischenmenschliche Kontakt der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Therapie.
Nach der Therapie kann eine Trainingstherapeutin, ein Trainingstherapeut oder eine Trainerin beziehungsweise ein Trainer übernehmen. Alle beteiligten Fachpersonen haben Einblick in die Daten und können die Betreuung gemeinsam fortsetzen.
Die Therapie soll enden, ohne dass der Kontakt zur Kundschaft abbricht. Weiterführendes Training im Selbstzahlerbereich schafft eine langfristige Begleitung und zusätzliche Einnahmen.
Ja, das kombinierte Angebot aus Physiotherapie und Training über Verordnung kann neue Kundinnen und Kunden anziehen. Moderne Software und abwechslungsreiche Arbeitsmodelle machen einen Betrieb auch für Fachkräfte attraktiver.
Am Anfang steht die Bereitschaft, Prozesse wirklich zu verändern. Danach können Betriebe schrittweise entscheiden, ob sie etwa mit Verwaltungssoftware, dem Trainingsbereich oder einer anderen passenden Lösung starten.
Jeroen und Daniel erwarten mehr moderne Center, die Physiotherapie und Training unter einem Dach verbinden. Erfolgreich ist das Modell, wenn beide Bereiche gleichwertig sind und die Fachpersonen auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
Weitere Schnittstellen, eine grössere Datentiefe und durch KI unterstützte Trainingsplanung werden an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig sollen konventionelle und elektronische Trainingsangebote miteinander verbunden bleiben.
Die Physiotherapie in der Schweiz ist im Wandel, und wer jetzt nicht aufspringt, könnte den Zug verpassen. KI wird auch in der Therapie wichtiger, bleibt aber ein Werkzeug, während der zwischenmenschliche Kontakt zentral bleibt.









